Familienunternehmen: Die 5 Etappen der Übergabe

In meinem heutigen Artikel möchte ich mich der Kategorie SMALL GIANTS (Affiliate-Link) zuwenden und mit Ihnen über die Schritte einer möglichen Übergabe innerhalb Ihrer Familie diskutieren. Lassen Sie mich kurz wiederholen, was ich unter der Kategorie SMALL GIANTS verstehe. Zur Einordnung von Unternehmen[1] verwende ich zwei Kategorien 1) den Umsatz und 2) die Zeit. Unternehmen in dieser Kategorie machen zwischen 20 Millionen Euro und 50 Millionen Euro Umsatz und haben sich einen Namen innerhalb ihrer Branche gemacht. Der Faktor Zeit spielt innerhalb dieser Kategorie eine untergeordnete Rolle. Sollte sie sich mit Ihrem Unternehmen in dieser Kategorie wiederfinden, so hatte ich in meinem Artikel 5 Übergabestrategien für Ihr Unternehmen, als möglichen Übergabestrategie, den Verkauf an einen strategischen Investor (Artikel hier), den Verkauf an die Mitarbeiter oder aber die Weitergabe innerhalb der Familie beschrieben. Wenn Sie sicherstellen wollen, dass Ihr Unternehmen auch in der Zukunft weiter besteht, so kommen prinzipiell nur die beiden letztgenannten Übergabestrategien in Betracht. Denn im Falle eines Verkaufs an einen strategischen Investor geht Ihr Unternehmen innerhalb eines anderen Unternehmens auf und verliert damit seine Unabhängigkeit. Wenn Sie sich für eine Übergabe innerhalb der eignen Familie entscheiden, dann möchte ich mit Ihnen heute die

5 Etappen der Übergabe innerhalb eines Familienunternehmens

  • Die Vorbereitung auf die Übergabe
  • Der Einstieg in das Unternehmen
  • Die Zusammenarbeit der beiden Generationen
  • Die Übergabe an die nächste Generation
  • Annahme des Auftrags

besprechen. Jede einzelne Etappe soll Ihnen dabei helfen, ein besseres Verständnis für den Übergabeprozess zu bekommen und Sie somit auf eine eventuelle Übergabe vorzubereiten. Bei meinen Beschreibungen beziehe ich mich auf das Buch The Next Generation Success von John Davis und den edX-Kurs Family Business – Strategy Essentials (Link zum Anbieter).

1.      Die Vorbereitung auf die Übergabe/Übernahme

Der erste und nahe liegende Schritt ist für beide Seiten sich auf die Übergabe bzw. Übernahme vorzubereiten. Dabei möchte ich mich zunächst auf Sie konzentrieren und später den Fokus auf Ihren Nachfolger oder Nachfolgerin legen.

Die ältere Generation

Als derjenige, welcher das Unternehmen übergibt, sollten Sie sich Gedanken darüber machen, an wen Sie Ihr Unternehmen geben können. Dies mag, sofern es sich bei Ihrem Unternehmen um ein Unternehmen der 1. Generation handelt noch relativ einfach sein. Im Falle eines Mehrgenerationenunternehmens wird dies schon schwieriger (s. Tabelle 1). Mit jeder neuen Generation wächst die Anzahl an Familienmitgliedern und damit die mögliche Herausforderung, einen geeigneten Nachfolger oder eine geeignete Nachfolgerin zu finden. Hinzukommt, dass Sie den Nichtauserwählten eine Alternative anbieten müssen.

GenerationBei 2 Kindern
pro Generation
Bei 3 Kindern
pro Generation
1.45
2.811
3.1439
4.28117

Tabelle 1 Entwicklung der Familienmitglieder über 4 Generationen

Unabhängig, in welcher Generation sich Ihr Unternehmen befindet, sollten Sie sich Gedanken über die Fähigkeiten des Nachfolgers oder der Nachfolgerin machen. Hierbei spielen Wissen und Können sowie Charaktereigenschaften eine wichtige Rolle. Welches Wissen wird benötigt, um das Unternehmen führen zu können? Wo kann dieses Wissen innerhalb und außerhalb der eigenen Branche erworben werden? Für wie lange sollte sie der mögliche Kandidat oder die mögliche Kandidatin außerhalb des eigenen Unternehmens weiterbilden? Hierbei sollte der Blick nicht nur auf die schulische (Aus)Bildung, sondern auch auf eine (Aus)Bildung in einem anderen Unternehmen in Betracht gezogen werden.

Eine wichtige und oft nicht berücksichtigte Frage ist, was Sie nach der Übergabe machen. Die Beantwortung dieser Frage hat jedoch, nach allem, was ich bisher in Erfahrung bringen konnte, einen signifikanten Einfluss auf den Erfolg der Übergabe und damit auf Ihr Unternehmen. Sie sollten sich für die Beantwortung dieser Frage ausreichend Zeit nehmen. Soll heißen, Sie müssen sie nicht sofort eine Antwort darauf haben. Sie sollten die Beantwortung dieser Frage, jedoch nicht vor sich herschieben. Stellen Sie sich die Frage, wo Sie sich außerhalb des Unternehmens einbringen könnten. Erst wenn Sie die Frage für sich zufriedenstellend beantwortet haben, sind Sie mental bereit für eine Übergabe und können die Frage nach dem Zeitpunkt beantworten. Diese Frage jedoch interessiert die jüngere Generation. Denn sie möchte sich auf diesen Zeitpunkt vorbereiten. Hierbei geht es nicht um einen fixen Tag (wobei dies sicherlich helfen kann), sondern das Gefühl, dass auf einen bestimmten Tag gemeinsam hingearbeitet wird.

Je früher Sie sich folglich mit diesem Thema beschäftigt, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass Sie ein Unternehmen haben, welches auch übergeben werden kann. Nur wenn Sie ein erfolgreiches, im Sinne eines gesunden Unternehmens aufbauen, stellen Sie sicher, dass sich jemand für die Übernahme interessiert. Und nur wer Interessenten für sein Unternehmen hat, ermöglicht eine erfolgreiche Übergabe[2]. Diese Übergabe spielt insbesondere in Familienunternehmen (Abbildung 1) eine wichtige Rolle. Nur eine erfolgreiche Übergabe eines gesunden Unternehmens stellt sicher, dass die Familie unterstützt wird und umgekehrt, dass die Familie das Unternehmen ihrerseits unterstützt. Die erfolgreiche Übergabe ist demzufolge nicht nur eine Angelegenheit des Übernehmers oder der Übernehmerin, sondern betrifft viele andere Personengruppen wie beispielsweise Familie, Mitarbeiter, Investoren, Kunden oder Lieferanten.

zusammenhang_unternehmen-Übergabe und familie

Abbildung 1 Zusammenhang zwischen Unternehmen, Übergabe und Familie.

Die jüngere Generation

Der Nachfolger oder die Nachfolgerin sollte sich mit den folgenden Punkten auseinandersetzen.

  • Betriebswirtschaftliches Wissen und Verständnis
    • Betriebsführung
    • Marketing
    • Sales
    • etc.
  • Eigentümerentwicklung
    • Was heißt es, Eigentümer zu sein?
      • Es ist ein Job und kein Geburtsrecht.
      • Es ist ein Privileg und dieses Privileg muss verdient werden.
      • Benennung eines fähigen Aufsichtsrats
      • Die Vision des Unternehmens festlegen
      • Die Werte des Unternehmens festlegen
      • Was bedeutet Erfolg für uns?
    • Eigentümerstruktur
      • Wer ist alles Eigentümer?
      • Wer hat welche Stimmrechte?
    • Rückkauf
      • Wie können Anteile erworben oder veräußert werden?
      • Wer, ist berechtigt Anteile zu erwerben?
  • Persönlichkeitsentwicklung
    • Selbstbewusstsein
    • Selbsterkenntnis
    • Selbstdisziplin
  • Interpersonelle Entwicklung
    • Kommunikation: Zuhören, Reden
    • Konfliktlösung: Umgang untereinander
    • Entscheidungen treffen: Einigung finden, Genehmigung/Zustimmung, Konsens

In dem sie sich mit diesen und weiteren Aspekten auseinandersetzt, bereitet sie sich auf die Übernahme des Unternehmens vor und wird folglich ihrer zukünftigen Verantwortung gerecht.

2.      Der Einstieg in das Unternehmen

Beide Seiten sollten sich Gedanken darüber machen, wo der Nachfolger oder die Nachfolgerin einen Platz im Unternehmen finden kann. Auf diesem sollte in verantwortlicher Position das erworbene Wissen in die Firma eingebracht bzw. ein besseres Verständnis für das Unternehmen entwickelt werden. Ziel ist es einerseits sämtliche Aspekte des Unternehmens im Laufe der Zeit kennenzulernen und andererseits Herausforderungen zu haben, dann denen man wachsen kann.

3.      Die Zusammenarbeit beider Generationen

Wie die Zusammenarbeit zwischen beiden Generationen gestaltet wird, hat einen großen Einfluss auf den Erfolg der Übergabe. Während einige sich mehr oder weniger aus dem Weg gehen, suchen andere den direkten Austausch. Dieser Austausch ist für beide Seiten wichtig, um ihre eigene Wahrnehmung zu erkennen und die Wahrnehmung des anderen besser verstehen zu können.

Wahrnehmung beider Seiten

  • Die ältere Generation sollte der jüngeren Generation es ermöglichen Fehler machen zu können.
  • Die jüngere Generation möchte die Best Practices verstehen.
  • Die jüngere Generation möchte klare und formale Strukturen.
  • Die jüngere Generation möchte einen effektiven Aufsichtsrat haben.
  • Anerkennung des Nachfolgers/der Nachfolgerin nicht als „Kind“, sondern als ebenbürtigen Erwachsenen.
  • Die jüngere Generation muss bereit sein, für ihre Fehler die Verantwortung übernehmen.
  • Die ältere Generation möchte, dass die jüngere Generation zu einem Profi entwickelt, aber auch sicherstellen, dass es ihren Kindern gut geht und sie glücklich sind.
  • Die ältere Generation möchte, dass die jüngere Generation Respekt zeigt und andere so behandelt, wie sie selbst behandelt werden möchte.
  • Die ältere Generation möchte, dass die jüngere Generation die Familienwerte repräsentiert.
  • Die ältere Generation möchte, dass die jüngere Generation verantwortlich mit Geld umgeht.

360-Grad-Feedback für die jüngere Generation

Während der Zusammenarbeit ist es enorm hilfreich, wenn die jüngere Generation möglichst vielen Seiten ein unvoreingenommenes Feedback bekommt. Nur hierdurch ist gewährleistet, dass sie sich entsprechend entwickeln kann. Dieses Feedback hilft ihr dabei, ggf. eine Kurskorrektur vornehmen zu können, Wissenslücken aufzudecken oder auf einen vorhandenen Blinden Fleck hinzuweisen.

Mentoring/Coaching durch die ältere Generation

Damit sich die jüngere Generation entsprechend entwickelt, sollten Sie als ältere Generation vorleben, was Ihnen wichtig ist. Zeigen Sie der jüngeren Generation, wie Sie Entscheidungen treffen und worauf es Ihnen ankommt. Stehen Sie der jüngeren Generation mit Rat und Tat zur Seite stehen und teilen Sie mit ihr Ihre Erfahrungen. Geben Sie ihr aber auch genügend Raum zur Entwicklung. Ermutigen Sie die jüngere Generation, proaktiver und direkter zu sein. Besprechen Sie jedoch in regelmäßigen Abständen Ihre gegenseitigen Wahrnehmungen und klären Sie vor allem die beiderseitigen Verständnisse von Rechten und Pflichten. Sie verhindern damit gegenseitigen Frust und beugen hierdurch vor, dass einer das Handtuch wirft.

4.      Übergabe an die nächste Generation

Um zu verhindern, dass jemand das Handtuch wirft, macht es Sinn sich zu überlegen, wie und in welchen Schritten die Übergabe erfolgen soll. Kommunizieren Sie so klar wie möglich, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit eine Übergabe erfolgen kann. Stellen Sie die jüngere Generation vor Herausforderungen, welche es gilt zu meistern. Sie schaffen damit Gelegenheiten, bei denen sich die jüngere Generation unter Beweis stellen kann und muss. Wurden die Bedingungen erfüllt, sollten Sie ebenfalls Ihren Teil der Abmachung einhalten. Zögern Sie als die Übergabe nicht immer weiter hinaus, nur weil Sie sich nicht bereit dazu fühlen. Widerstehen Sie auch den Impuls sich immer wieder einbringen zu wollen, wenn Sie sich einmal aus einer Sache herausgezogen haben. Nichts ist frustrierender für jemanden, der sich das notwendige Wissen und die erforderlichen Erfahrungen sowie das Vertrauen der anderen erarbeitet hat, als wenn Sie ihm oder ihr diese Aufgabe wieder wegnehmen.

5.      Annahme des Auftrags

Dies bedeutet jedoch nicht, dass es an der jüngeren Generation liegt zu entscheiden, wann letztlich die Übergabe erfolgt. Diese Entscheidung liegt bei Ihnen. Allerdings, wie bereits erwähnt, sollten Sie auch eine einmal getroffene Entscheidung nicht einfach so widerrufen. So gut gemeint Ihre Entscheidung für den Widerruf auch sein mögen.

Auf der anderen Seite drängen Sie die jüngere Generation nicht in die Verantwortung. Die jüngere Generation muss diese Entscheidung für sich treffen. Wenn sie dies jedoch tut, dann muss sie auch zu dieser Entscheidung stehen. Helfen Sie der jüngeren Generation dabei erfolgreich zu sein. Und lassen Sie es zu und anerkennen Sie die Leistung der jüngeren Generation. Diese möchte Ihnen immer zeigen, dass sie einen guten Job machen kann. Die jüngere Generation sollte nach einer Übergabe darauf achten, dass sie die ältere Generation nicht einfach aus dem Unternehmen drängen. Bringen Sie als jüngere Generation bitte Verständnis auf, dass die ältere Generation ebenfalls sich wertgeschätzt gefühlt werden möchte. Diese Wertschätzung sollten Sie ihr auch entgegenbringen, denn eines Tages werden Sie in diese Rolle schlüpfen.

Ich hoffe, ich konnte mit dem heutigen Artikel einen kleinen Einblick in den Übergabeprozess geben und freue mich, wenn Sie meinen Artikel mit Freunden und Bekannten teilen würden. Was erwarten Sie von der älteren/jüngeren Generation? Schreiben Sie es mir unten in die Kommentare.

[1] Im Kontext der Übergabestrategien

[2] Burlingham (2015) Finish Big

Ein Gedanke zu “Familienunternehmen: Die 5 Etappen der Übergabe

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