Strategische Frühaufklärung: Die unternehmerische Wettervorhersage

Nehmen Sie eigentlich jedes Mal, wenn Sie aus dem Haus gehen einen Regenschirm mit oder werfen Sie vorher einen Blick auf Ihre Wetter-App? Wenn Sie Letzteres, wovon ich ausgehe, machen, dann vertrauen Sie darauf, dass die Wettervorhersage (s. Abbildung 1) stimmt. Damit dies der Fall ist, beschäftigen sich unzählige Menschen mit der Auswertung von einer Vielzahl an Datenpunkten. Machen Simulationen, um letztlich Ihnen eine Wahrscheinlichkeit für das Wetter an Ihrem Ort mitteilen zu können.

Karte: Großwetterlage Europa am 14.03.2019

Abbildung 1 Großwetterlage Europa am 14.03.2019[1]

Aber wie ist das mit Ihrem Unternehmen? Wissen Sie, was auf Sie als Unternehmer oder Unternehmerin zu kommt? Welche Auswirkungen eine politische Entscheidung oder ein technologischer Wandel auf Ihr Unternehmen hat? Wenn nicht, dann möchte ich Sie mit diesem Artikel heute dafür sensibilisieren.

Der heutige Artikel beschäftig sich

  • zunächst mit dem warum,
  • dann mit der SIA-Methode und
  • abschließend mit dem integrierte Managementsystem.

Warum sollten Sie sich damit beschäftigen?

Wenn man sich mit dem Thema Unternehmensgründung näher beschäftigt, so wird man sehr bald mit der Lebenserwartung von Neugründungen konfrontiert. In diesem Zusammenhang erfährt man, dass nach 2 Jahren nur noch 80 %, nach 5 Jahren nur noch 50 % und nach 10 Jahren nur noch ganze 10 % der neugegründeten Unternehmen am Markt existiert. Aber hier hört es noch nicht auf. Denn, beschäftigt man sich mit dem Thema Unternehmensübergabe, so erfährt man, dass nur jedes 2. Unternehmen an die nächste Generation übergeben wird. Wenn wir sämtliche Daten zusammentragen, erhalten wir den in Abbildung 2 dargestellten Verlauf.

Grafik: Lebenserwartung von Unternehmen über einen Zeitraum von 100 Jahren

Abbildung 2 Lebenserwartung von Unternehmen über einen Zeitraum von 100 Jahren[2]

Nimmt man die in Abbildung 2 genannten Daten zur Hand, so stellt man fest, dass es 200 neugegründete Unternehmen benötigt, damit ein einziges Unternehmen, statistisch gesehen, noch nach 100 Jahren am Markt ist. Lassen Sie mich diesen Satz, um dessen Aussage zu unterstreichen, noch einmal wiederholen.

„Von rund 200 Unternehmen schafft es nur ein Unternehmen in die 4. Generation.“

Die Gründe hierfür sind vielfältiger Natur und der Grund dafür, dass ich diesen Blog ins Leben gerufen habe. Ich möchte durch die bereitgestellten Informationen meinen Teil dazu beitragen das Sie als Unternehmer und Unternehmerin es mit Ihrem Unternehmen in die 4. Generation schaffen. Damit dies gelingt, müssen Sie sich als Unternehmer und Unternehmerin über Veränderungen in Ihrem näheren und weiteren Umfeld informieren. Diese Veränderungen wirken zum einen von außen (extern) und zu anderen von innen (intern) auf Ihr Unternehmen ein. Zu diesen Veränderungen gehören unter anderem

  1. Externe Faktoren
    1. Technologischer Wandel
    2. Gesellschaftlicher Wandel
    3. Ökologischer Wandel
    4. Politischer-rechtlicher Wandel
    5. Ökonomischer Wandel
  2. Interne Faktoren
    1. Management
    2. Produkt
    3. Organisation
    4. Compliance
    5. Finanzen

Anmerkung: Die obigen Links führen Sie zu weitern Artikeln von mir.

Alle diese Faktoren wirken ständig direkt und oder indirekt auf Ihr Unternehmen ein. Dies macht es, aus meiner Sicht, erforderlich, dass Sie sich mit diesen Faktoren in regelmäßigen Abständen auseinandersetzen. So wie Sie in regelmäßigen Abständen auf Ihre Wetter-App schauen. Eine solche „Wetter-App“ ist die SIA-Methode.

SIA-Methode

SIA steht für Scan-Interpret-Adapt. Dies bedeutet nichts anderes, als dass Sie Ihr näheres und weiteres Umfeld hinsichtliche der oben genannten Faktoren abscannen. Die so erhaltenen Daten interpretieren und ggf. Maßnahmen für Ihr Unternehmen einleiten (adapt = anpassen). Beginnen wir mit dem Scannen Ihres Umfeldes.

Scan

Um Ihr Umfeld nach möglichen für Ihr Unternehmen kritischen Faktoren abscannen zu können, ist es erforderlich, dass Sie sich Gedanken über die einzelnen Bereiche, die Einflussgrößen und die Treiber machen.

Als Bereiche können Sie zunächst auf die oben genannten internen und externen Faktoren zurückgreifen. Da diese allerdings zu grob sind, um relevante Schritte daraus ableiten zu können, ist es erforderlich, dass Sie jeden dieser Faktoren weiter herunterbrechen. So könnten Sie beispielsweise für den externen Faktor technologischer Wandel sich den Hype-Cycle von Gartner (s. Abbildung 3) näher anschauen. In diesem werden die verschiedensten technologischen Trends hinsichtlich ihrer Marktreife aufgelistet.

Grafik: Gartner Hype Cycle for Emerging Technollogies 2018

Abbildung 3 Gartner Hype Cycle for Emerging Technollogies 2018[3]

Ausgehend von dieser jeweiligen Marktreife könnten Sie innerhalb dieses Faktors überlegen, welche Technologie für Ihr Unternehmen a) eine Chance und b) eine Gefahr darstellt.

Bezogen auf unser Wetterbeispiel bedeutet dies, dass Sie sich zunächst die Temperatur, Regenwahrscheinlichkeit und ggf. den Sonnenschutzfaktor für Ihre Region/Ort (Bereich 1), in der Sie sich aktuell befinden und die Region/Ort (Bereich 2) wohin Sie gehen anschauen werden.

Bei Ihrer Analyse sollten Sie nicht nur die offensichtlichen Faktoren betrachten, sondern nach Faktoren Ausschau halten, welche nicht Teil der Veränderung sind, aber diese beeinflussen können (z. B. neue Gesetze). Unter allen Faktoren werden Sie ferner Faktoren finden, welche die Entwicklung beschleunigen können. Diese Faktoren werden als Treiber bezeichnet.

In unserem Wetterbeispiel wäre beispielsweise die Windgeschwindigkeit ein solcher Treiber.

Wiederholen Sie diese Unterteilung für sämtliche anderen Faktoren. Am Ende erhalten Sie eine Liste mit der aus Ihrer Sicht wichtigsten Faktoren.

Interpret

Nach der Identifikation dieser Faktoren müssen diese entsprechend interpretiert werden. Hierzu greifen wir auf die in Abbildung 4 beschriebenen Dimensionen Eintrittswahrscheinlichkeit, Bedrohungsgrad und zeitliche Nähe sowie Geschwindigkeit zurück. Im Bezug auf eine Einschätzung hinsichtlich einer Chance für Ihr Unternehmen, sprechen wir statt vom Bedrohungsgrad vom Potenzial. Sprich, Sie müssen abschätzen inwiefern und in welchem Maß der jeweilige Faktor sich positiv auf Ihr Unternehmen auswirkt.

Bild: Dreidimensionale Risiko-Matrix

Abbildung 4 Dreidimensionale Risiko-Matrix[4]

Wenn wir wieder auf unser Wetterbeispiel zurückkommen, so werden Sie sich mit der Regenwahrscheinlichkeit, der Niederschlagsmenge und dem Zeitpunkt des angekündigten Regens beschäftigen. Auf Basis dieser Daten werden Sie entsprechende Szenarien entwerfen. Sie werden sich ein positives Extremszenario (z. B. Badewetter), ein Trendszenario (z. B. Bedeckt) und ein negatives Extremszenario (z. B. Unwetter) überlegen und anhand dessen abschätzen, wie wahrscheinlich jedes dieser drei Szenarien sein wird.

Adapt

Haben Sie sich für eines der drei Szenarien entschieden, dann werden Sie sich bezogen auf unser Wetterbeispiel entsprechend die Kleidung aussuchen bzw. sich ggf. andere Kleidung anziehen oder einpacken.

Auf Ihr Unternehmen übertragen bedeutet dies, dass Sie die gewonnen Informationen in Ihr bestehendes Managementsystem einfließen lassen und bei Bedarf Maßnahmen ergreifen (s. Abbildung 5). Zu diesen Maßnahmen gehören unter anderem, dass Sie

  • ggf. die Kennzahlen(korridore) anpassen
  • ggf. die Maßnahmen abändern, erweitern oder kürzen
  • ggf. die zeitliche Perspektive korrigieren, indem Sie Projekte vorziehen, zurückstellen oder gar streichen.
Grafik: Abstimmung von Frühaufklärung und Balanced Scorecard

Abbildung 5 Abstimmung von Frühaufklärung und Balanced Scorecard[5]

Wenn wir Abbildung 5 in das von mir vorgestellte integrierte Managementsystem einfügen, dann erhalten wir die folgende Abbildung 6. 

Grafik: Kombination von Frühaufklärung und Management zu einem integrierten Managementsystem

Abbildung 6 Kombination von Frühaufklärung und Management zu einem integrierten Managementsystem[6]

Die Störung, hier technologischer Art (symbolisch als Hype-Cycle dargestellt), wirkt auf unser Unternehmen ein. Diese technologischen Veränderungen werden durch unsere Frühaufklärung (symbolisch als Risiko-Matrix dargestellt) überwacht und fließen in unsere Entscheidungen mit ein. Die sich daraus ergebenen Handlungen führen zu Resultaten, welche ihrerseits in unserer Scorecard (symbolisch als Balanced Scorecard dargestellt) erfasst werden. Sie stehen damit ebenfalls für die Entscheidungsfindung zur Verfügung.

Wie unschwer zu erkennen, ermöglichen es uns erst beide Informationen, zukünftige und vergangene, als Unternehmer und Unternehmerin bessere Entscheidungen für unser Unternehmen treffen zu können.

Fazit

Ausgehend von Wettervorhersage als Analogie, habe ich mit Ihnen zunächst über den Sinn einer Frühaufklärung für Ihr Unternehmen gesprochen. Im Rahmen dieser Einführung haben wir mögliche Einflussfaktoren (wie beispielsweise technologischer oder gesellschaftlicher Wandel) auf Ihr Unternehmen behandelt. Um diese Veränderungen rechtzeitig erfassen zu können, habe ich Ihnen die SIA-Methode vorgestellt. Anhand unseres Wetterbeispiels besprachen wir die einzelnen Schritte, Scan, Interpret und Adapt. Um abschließend die Frühaufklärung in unser integriertes Managementsystem einzufügen.

Um die Zusammenhänge innerhalb des integrierten Managementsystem besser nachvollziehen zu können, empfehle ich Ihnen meinen Artikel Von der Kennzahl zum integrierten Managementsystem zu lesen.

Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, Sie für dieses Thema ein wenig zu sensibilisieren und Sie sich nicht nur in den nächsten Tagen, sondern in regelmäßig (idealerweise vorher festgelegten) Abständen damit auseinandersetzen werden.

Wenn dies der Fall ist, freue ich mich, wenn Sie mir einen Like da lassen würden.

Sollten Sie Fragen zu diesem Thema haben, können Sie diese mir gerne unten in die Kommentare schreiben oder mir eine E-Mail zu kommen lassen.


[1] Quelle: 14-Tage-Wettervorhersage

[2] Eigene Darstellung

[3] Gartner Hype Cycle 2018

[4] Quelle: Hans-Christian Brauweiler (2019) Risikomanagement in Unternehmen

[5] Eigene Darstellung (Risiko-Matrix: Quelle Hans-Christian Brauweiler (2019) Risikomanagement in Unternehmen, Balanced Scorecard Quelle: Von Stern, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23786302)

[6] Eigene Darstellung (verwendete Grafiken: Risiko-Matrix: Quelle Hans-Christian Brauweiler (2019) Risikomanagement in Unternehmen, Balanced Scorecard Quelle: Von Stern, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23786302, Gartner Hype Cycle 2018)

3 Gedanken zu “Strategische Frühaufklärung: Die unternehmerische Wettervorhersage

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