Von der Fachkraft zum Unternehmer!

In meinem heutigen Artikel möchte ich meinen Teil zu dieser Diskussion beitragen. Gleich vorweg, es geht in diesem Artikel nicht um Ideenfindung, Finanzierung oder Zielgruppenanalyse. Diese Punkte sind zwar wichtig, laufen aber aus meiner Sicht vollkommen ins Leere, um Unternehmer zu werden. Ich werde nämlich nicht Unternehmer weil ich (m)eine potenzielle Zielgruppe analysiert habe oder ein passendes Lösungsversprechen dafür entwickelt habe. Zumindest nicht in der klassischen Sichtweise. Was meine ich damit?

Was Sie von anderen unterscheidet

Zunächst möchte ich über drei Persönlichkeitstypen reden (s. Abbildung 1), über welche ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe (hier und hier). Hierbei handelt es sich um den Techniker (Fachkraft), den Manager und den Entrepreneur (Unternehmer). Diese Einteilung stammt von Michael E. Gerber (Affiliate-Link).

Die Fachkraft ist sehr gut, indem was sie macht. Sie liebt das handwerkliche Arbeiten. Das Umsetzen und Realisieren. Die Fachkraft möchte am Ende des Tages sehen, was sie erreicht hat. Lange Planungen sind ihr eher fremd. Organisation nicht immer ihre Stärke. Ihr Motto „Vom Reden ist noch nichts geschafft worden.“

Ganz anders der Manager. Dieser liebt es, Dinge zu organisieren, zu strukturieren und zu planen. Er sieht sich als eine Art Dirigent, welcher die einzelnen Komponenten zusammensetzen muss, damit eine wunderschöne Harmonie daraus entsteht. Das in seinen Augen „blinde“ loslegen ist nicht seins. Ja, er sieht darin die Gefahr, dass Ressourcen unnötig verschwendet werden, und mittel- bis langfristig Risiken durch das unüberlegte Vorgehen entstehen könnten. Sein Motto „Erst Nachdenken, dann Tun.

Der Unternehmer kann weder mit dem Machen noch mit dem Planen etwas anfangen. Er erschafft die Zukunft in seinem Geiste. Pläne sieht er als Begrenzung seiner Gedanken. Ordnung unter Umständen als lässige Aufgabe. Er denkt in Möglichkeiten. Er denkt in Was-Wäre-wenn. Er hinterfragt alles. Er sucht nach Neuem. Er sucht nach Verknüpfungen. Er beschäftigt sich mit Trends und deren Auswirkungen. Er lebt primär in der Zukunft.

Abbildung 1: Die drei Persönlichkeitstypen: Fachkraft, Manager und Unternehmer

Abbildung 1 Die drei Persönlichkeitstypen: Fachkraft, Manager und Unternehmer

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass keine dieser drei Persönlichkeitstypen besser oder schlechter ist, als die anderen. Jeder von uns hat alle drei in sich, jedoch mit unterschiedlichen Ausprägungen.

Diese Erkenntnis, dass jeder von uns alle drei Persönlichkeitstypen in sich trägt, ist wichtig. Denn es bedeutet, dass jeder ein Unternehmer ist. Wie sagte Prof. Götz Werner einmal in einem Vortrag „Wir alle sind Unternehmer. Unternehmer unseres Lebens.“

Schreiben Sie mir unten in die Kommentare, mit welcher der drei Persönlichkeitstypen Sie sich am meisten identifizieren können.

Es benötigt alle drei Persönlichkeitstypen, um ein Unternehmen erfolgreich aufzubauen. Wenn Sie sich dieser Tatsache bewusst werden, dann können Sie sich gezielt nach einer Person umschauen, welche Sie komplementiert, also eine Ergänzung zu Ihren Fähigkeiten ist.

Wenn Sie beispielsweise eher der Unternehmer sind, dann benötigen Sie jemanden, der primär Manager und Fachkraft. Umgekehrt benötigt die Fachkraft einen Unternehmer. Zusammen sind sie ein perfektes Team.

Nicht umsonst bestehen viele Gründungsteams aus mindestens 2 Gründern. Nehmen Sie Steve Jobs (Unternehmer) und Steve Wozniak (Fachkraft) oder Bill Gates (Unternehmer) und Steve Ballmer (Manager). Selbst Larry Page und Sergey Brin (beides Unternehmer und Fachkräfte) haben sich einen Erich Schmidt (Manager) mit ins Boot geholt.

Was AM Unternehmen arbeiten wirklich bedeutet

Nachdem wir die Unterschiede in der Persönlichkeit näher betrachtet haben, können wir die Aussage „Am Unternehmen arbeiten“ und „Im Unternehmen arbeiten“ besser einordnen (s. Abbildung 2).

Abbildung 2 AM Unternehmen, statt IM Unternehmen arbeiten

Abbildung 2 AM Unternehmen, statt IM Unternehmen arbeiten[1]

Während die Fachkraft und der Manager an einem Lösungsversprechen arbeiten, um einen Nutzen für den Kunden zu schaffen, arbeitet der Unternehmer am Unternehmen, mit dem Ziel einen Nutzen für dessen Nachfolger zu schaffen.

Während für die Fachkraft und den Manager das Lösungsversprechen das Produkt ist, ist für den Unternehmer, sein Unternehmen das Produkt.

Während für die Fachkraft und den Manager der Fokus auf den drei Komponenten des Lösungsversprechens – Produktion, Lieferung und Kundenservice (mehr zu diesem Thema finden Sie in diesem Artikel)
– liegt , richtet sich der Fokus des Unternehmers auf die Schaffung von Systemen, wie Management-, Leadership-, Marketing-, Finanzen-u. Innovation-System.

Während die Fachkraft und der Manager sich tagtäglich darauf konzentrieren, dass das Lösungsversprechen Realität wird, konzentriert sich der Unternehmer darauf, dass durch das angebotene Lösungsversprechen er seiner Vision näherkommt. Er konzentriert sich auf das Geschäftsmodell und dessen Einzelteile. Er konzentriert sich darauf, dass alles auf systematische Art und Weise umgesetzt wird, sodass das Risiko des Scheiterns minimiert wird, und dass das Risiko für einen potenziellen Nachfolger minimiert wird.

Die Aufgaben eines Unternehmers

Fokus

Die erste Aufgabe eines jeden Unternehmers ist, seinen Fokus auf das Unternehmen zu richten. Ziel ist es im Laufe der Zeit immer mehr Zeit AM Unternehmen zu arbeiten und weniger IM Unternehmen (s. Abbildung 3).

Abbildung 3 Aufgabe 1 des Unternehmers

Um dies zu erreichen, muss der Unternehmer sich mehr und mehr aus den tagtäglichen Entscheidungen zurückziehen. Er muss Systeme schaffen, welche es dem Unternehmen ermöglicht, ohne ihn zu funktionieren.

Tut er dies nicht, so hängt das Unternehmen von ihm als Person ab. Diesen Umstand wird jedoch einen möglichen Nachfolger davon abhalten, das Unternehmen übernehmen zu wollen. Das Risiko mit dem Unternehmen erfolgreich zu sein wäre zu groß.

Mehr zu diesem letzten Punkt finden Sie in meinem Artikel: 8 Faktoren, die eine Übergabe begünstigen.

Von der 80/20-Regel zur 64/4-Regel

Als Unternehmer müssen Sie sich Ihre Zeit und Energie auf diejenige Arbeit konzentrieren, welche das bestmögliche Ergebnis bringen. Typischerweise wird hierbei auf die 80/20-Regel verwiesen (s. Abbildung 4).

Diese besagt, dass 80 % Ihrer Ergebnisse von 20 % Ihres Einsatzes kommen. In einigen Fällen kann es auch zu Extremen wie 90/10 oder 95/5 kommen. Auf Ihr Unternehmen übertragen kann es bedeuten, dass 80 % Ihrer Umsätze von nur 20 % Ihrer Kunden kommen. Es kann auch bedeuten, dass 80 % Ihrer Zeit Sie nur mit 20 % Ihrer Kunden verbringen.

Abbildung 4 80/20-Regel

Abbildung 4 80/20-Regel

Wenn wir die 20 % unseres Einsatzes erneut der 80/20-Regel unterziehen, so erhalten wir die 64/4-Regel. Diese besagt, dass 64 % Ihrer Ergebnisse von 4 % Ihres Einsatzes kommen. Beziehen wir diese 4 % auf eine 40 Stundenwoche, so entspricht dies gerade einmal 1,5 Stunden[2]. Was Sie in diesen 1,5 Stunden machen, bestimmt 64 % Ihrer Resultate in einer Woche.

Abbildung 5 64/4-Regel

Abbildung 5 64/4-Regel

Wenn Sie zum Unternehmer werden wollen, müssen Sie sich jeden Tag 1,5 Stunden auf die Tätigkeiten konzentrieren, welche Ihnen 64 % der gewünschten Resultate bringen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Identifikation der 4 %

Um diese 4 % finden zu können, müssen Sie damit beginnen, alles und vor allem sich zu organisieren. Sie müssen damit beginnen Systeme zu erschaffen und zu nutzen, welche es Ihnen ermöglicht, sich auf diese 4 % konzentrieren zu können.

Beginnen Sie damit, dass Sie sich jeden Tag einen festen Anteil Ihrer Zeit für Aufgaben eines Unternehmers, eines Managers und einer Fachkraft reservieren. Während dieser festgelegten Zeit konzentrieren Sie sich ausschließlich auf diese Tätigkeiten.

Je länger Sie diese Aufteilung vornehmen, umso mehr wird Ihnen bewusst, dass Sie nicht alles selbst machen können. Es ist an der Zeit Mitarbeiter einzustellen, an welche Sie bestimmte Aufgaben delegieren sollten. Welche dies sind, können Sie mithilfe der Eisenhower-Methode[3] (s. Abbildung 6) auf einfache Art und Weise herausfinden.

Hierzu teilen Sie Ihre Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit ein. Wichtige Aufgaben übernehmen Sie selbst. Weniger wichtige Aufgaben erledigen Ihre Mitarbeiter. Dabei richtet sich die Wichtigkeit Ihrer Aufgaben danach, ob es sich um Aufgaben, welche IM Unternehmen anfallen oder im Zusammenhang AM Unternehmen zu arbeiten anfallen.

Dies bedeutet, dass zwar aus Ihrer Sicht als Unternehmen Aufgaben, welche das tagtägliche IM Unternehmen betreffen, unwichtig sind, aus der Sicht Ihrer Fachkräfte und Manager sind diese jedoch wieder wichtig.

Abbildung 6 Eisenhower-Methode

Abbildung 6 Eisenhower-Methode

Konstantes Lernen und Wachsen

Als Unternehmer überlegen Sie sich bitte

  • Welche Systeme gibt es bereits in meinem Unternehmen?
  • Welche Systeme fehlen in meinem Unternehmen?
  • Wie kann ich die bestehenden Systeme verbessern?
  • Was muss ich tun, um das fehlende System in mein Unternehmen integrieren zu können?

Ein System muss nicht kompliziert sein. Ein System ist etwas, dass immer die gleichen Resultate bringt. Sie wissen genau, wenn Sie XYZ machen, dann erhalten Sie ABC. Ein System bringt immer die gleichen Resultate, und zwar unabhängig von der Person. Das heißt, es spielt keine Rolle, ob Sie als (angehender) Unternehmer diese Aufgabe erledigen oder ein gerade eben eingestellter Mitarbeiter. Die Bestandteile eines Systems sind Prozesse. Ihre Aufgabe als Unternehmer ist es, das optimale Zusammenspiel, der in einem System enthaltenen Prozesse sicherzustellen.

Damit Ihnen dieses gelingt, ist es Ihre nächste Aufgabe als Unternehmer, dass Sie konstant lernen und wachsen. Um als Firma sich weiterzuentwickeln greifen Sie auf die Frage auf, welches System könnte bessere Ergebnisse erzielen, wenn es verändert werden würde?

  • Bestimmen Sie zunächst, was dieses System aktuell für Sie schafft.
  • Bestimmen Sie die in dem System enthaltenen Prozesse.
  • Bestimmen Sie das Ergebnis für jeden einzelnen Prozess.
  • Sind Sie mit dem Ergebnis eines Prozesses nicht zufrieden, so überlegen Sie sich einen Test (Stichwort DoE).
  • Führen Sie den Test durch und werten Sie die Ergebnisse.

Sollten Sie die erhoffte Verbesserung erzielt haben, verlängern Sie die Zeitdauer für den Test mit den neuen Parametern. Dies stellt sicher, dass die erhaltenen Ergebnisse auch verifiziert wurden. Übernehmen Sie niemals ein Ergebnis aus einem Test ohne dessen Verifikation.

Wann Reden Gold ist

Sind Sie nach der Verifikation mit den Ergebnissen zufrieden, so kommunizieren Sie die Änderung an Ihre Mitarbeiter. Gleichzeitig sorgen Sie für eine entsprechende Dokumentation.

Neben dieser Art von Kommunikation, ist es Ihre Aufgabe als (angehender) Unternehmer in fünf Bereichen klar und effektiv zu kommunizieren.

  • Inspiration: Bedeutet, dass Sie Ihre Vision bei jedem Kontakt mit Ihren Mitarbeitern, Partnern, Zuliefern und Kunden kommunizieren. Nur so stellen Sie sicher, dass alle Beteiligten in die gleiche Richtung laufen. Sie geben allen Beteiligten ein Warum.
  • Bildung: Helfen Sie allen Beteiligten, sich das notwendige Wissen anzueignen, mit dem sie Ihr Warum Realität werden lassen können.
  • Anwendung: Ist die logische Konsequenz aus Bildung. Durch Tests kann diese verifiziert werden.
  • Durchführung: Zeigen Sie allen Beteiligten, wie diese das erhaltene Wissen in die Tat umsetzen können. Nur wer in die Umsetzung kommt, versteht zunehmend, warum Sie für die Sache brennen.
  • Innovation: Oder auch kontinuierliche Verbesserung. Alles ist im Fluss, nichts ist statisch.

Investieren Sie Zeit in sich

Um in den obengenannten Punkten immer besser zu werden, bedarf es nicht nur Zeit, sondern konstantes lernen. Ihre Aufgabe als (angehender) Unternehmer ist es, die durch Delegation freiwerde Zeit für die Weiterentwicklung Ihrer Persönlichkeit zu nutzen.

Wenn Sie, wovon ich ausgehe ein erfolgreicher Unternehmer werden wollen, dann müssen Sie diesen Beruf als Berufung sehen. Dies können Sie beispielsweise mit jedem Profi sei es im Bereich Musik oder Sport vergleichen. Jeder Profi trainiert tagtäglich für mehrere Stunden. Die eigentliche Einsatzzeit ist vergleichsweise gering. Vermutlich könnten wir unsere 4 %-Regel ansetzen. Dies würde wiederum bedeutet, dass jeder Profi 96 % seiner Zeit trainiert, und zwar sowohl an seinen Fähigkeiten als auch an sich. Sie tun dies allein oder mit einem Coach.

Sie als (angehender) Unternehmer sollten sich an diesem Beispiel orientieren. Trainieren Sie tagtäglich, um ein besserer Unternehmer zu werden. Lesen Sie Bücher, besuchen Sie Seminare und suchen Sie sich einen Mentor. Damit Sie, wenn Sie an den 4 % der wichtigsten Aufgaben arbeiten 100 % bringen können.

Wenn Ihnen mein Artikel gefallen hat, dann würde ich mich über einen Like freuen. Sie dürfen diesen Artikel selbstverständlich mit allen Teilen, von denen Sie denken, dass diese ebenfalls davon profitieren könnten.

Schreiben Sie mir unten in die Kommentare wie viel Zeit Sie AM Unternehmen und IM Unternehmen arbeiten. Gerne auch per E-Mail.


[1] Eigene Darstellung in Anlehnung an Stefan Merath

[2] Bezogen auf eine 100 Stundenwoche sind dies 4 Stunden.

[3] Wikipedia|Eisenhower-Methode

2 Gedanken zu “Von der Fachkraft zum Unternehmer!

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