Die Beratungsindustrie wird ihrem Ruf gerecht!

Zugegeben der Titel ist etwas provokant, aber Sie werden mir eventuell am Ende des Artikels zustimmen. Wie komme ich zu dieser Aussage?

Nun, ich habe vor einiger Zeit ein Unternehmertreffen, auf welchem das Thema Unternehmensnachfolge diskutiert wurde. Die dort aufgeworfenen Fragen haben mich veranlasst, mehrere Unternehmensberatungsfirmen anzuschreiben und ihnen die folgenden Fragen gestellt.

  1. Wie genau sieht der Prozess einer Unternehmensnachfolge aus?
  2. Wie viel Vorlaufszeit sollte man Ihrer Meinung nach für eine Unternehmensnachfolge einplanen?
  3. Welche Dokumente werden benötigt?
  4. Welche Belastung, in Form von zusätzlichen Aktivitäten, kommen auf einen zu?
  5. Inwieweit können Sie hier unterstützend tätig sein bzw. werden?
  6. Welche Leistungspakete bieten Sie an?
  7. In welcher Höhe belaufen sich ungefähr die Kosten für eine Beratung bei Ihnen, wenn man von einem Unternehmen mit rund 3-4 Millionen Euro Umsatz und Operatives Ergebnis von ca. 0,5 Millionen Euro ausgeht (28 MA)?

Im Folgendem möchte ich Ihnen eine kleine Auswertung über diverse Faktoren an die Hand geben, sodass Sie sich ein eigenes Urteil bilden können.

  • Die Rücklaufquote betrug ca. 60 % Firmen.
  • Davon antworteten ca. 40 % Firmen bereits am gleichen Tag.

Die Antworten auf meine E-Mail reichten von „Senden Sie uns doch bitte Ihre Kontaktdaten“, „Zu allgemeine Fragen“,
„zu komplex das Thema “ oder gar „jede Firma ist anders “ oder alternativ, „Wir beantworten Ihre Fragen gern in einem Telefonat /Erstgespräch“ oder „Sie finden entsprechende Informationen auf unserer Webseite“ bis hin zu detaillierteren Antworten, mit welchen man etwas anfangen kann und bei dessen Durchlesen man das Gefühl hatte, dass jemand einem Helfen möchte bzw. Interesse an einem hat.

Dabei spielte es keine Rolle, wie groß oder klein die Beratungsfirma war. Ich bekam detaillierte Antworten von kleinen wie auch von großen und umgekehrt keine Antworten von ihnen.

Mir ist bewusst, dass jeder dieser Firmen ständig solcherlei allgemeine Anfragen erhält und die Beantwortung dieser sicherlich mühselig ist und daher diese Antworten als eine Art Filter verwendet werden, um die Interessenten zu qualifizieren. Jedoch kann es bei diesem Vorgehen dazukommen, dass potenzielle Interessenten unter Umständen abgeschreckt werden. Nicht jede Unternehmerin oder jeder Unternehmer möchte gleich ein direktes Gespräch mit einem Berater/einer Beraterin führen.

  • Bezogen auf die Rückläufer verwendeten rund 66 % der Firmen eine Art Filter (wie Telefonat/Kontaktdaten).
  • Dagegen gingen rund 34 % zum Teil detailliert auf meine Fragen ein oder verwiesen zumindest auf ihre Webseite.

Um dies zu verhindern, würde ich als Anbieter diese Anfragen zu Anlass nehmen und eine FAQ-Liste erarbeiten. Diese würde ich dann auf meiner Homepage veröffentlichen und als PDF-Datei zum Herunterladen bereitstellen. Bei Anfragen würde ich diese PDF-Datei als Anhang zusenden.

Aus meiner Sicht hält sich der Aufwand für eine derartige FAQ-Liste in Grenzen, bietet jedoch die Chance das eigene Unternehmen besser zu positionieren.

Oder, wie es eine Beratungsfirma gemacht hatte, einfach die vom BMWI zur Verfügung gestellte Broschüre über das Thema Unternehmensnachfolge einfach zusenden. Das ist besser als gar nichts.

Abschließend möchte ich Ihnen die mir gegebenen Antworten nicht vorenthalten.

Wie genau sieht der Prozess einer Unternehmensnachfolge aus?

  • Zunächst wird eine Erstbeurteilung vorgenommen. (Dauer 1-2 Monate)
  • Im Anschluss daran erfolgt eine detailliertere Unternehmensanalyse. (Dauer bis zu 3 Monaten)
  • Worauf es zum Due Diligence kommt. (Dauer bis zu 2 Monate)
  • In dessen Anschluss die Vertragsverhandlungen beginnen. (Dauer bis zu 2 Monaten)
  • Final erfolgt dann die Umsetzungsphase. (Dauer bis zu 1 Jahr)

Wie viel Vorlaufszeit sollte man Ihrer Meinung nach für eine Unternehmensnachfolge einplanen?

  • Als Vorlaufzeit wurden mir 1-2 Jahre genannt.
  • Um sich selbst mental darauf vorzubereiten wurden mir, 2-3 Jahre empfohlen.
  • Idealerweise startet man 7-8 Jahre vorher.
  • Gleichzeitig wird zwischen „Echter“ Unternehmensnachfolge (bis zu 5 Jahre), einem reinen M&A Prozess unterschieden (bis zu 2 Jahre) und Sondersituationen (Krise, strategische Neuausrichtung oder Todesfall) unterschieden.

Welche Dokumente werden benötigt?

  • Die letzten 3 Jahresabschlüsse.
  • Eine aktuelle BWA.
  • Teaser (Kurzprofil) & Exposé
  • Planrechnung
  • Arbeitsverträge
  • Mietverträge
  • Ehevertrag
  • Testament(e)
  • Gesellschaftsverträge
  • Verzichtserklärungen
  • Schenkungsurkunden
  • etc.

Die Anzahl und Art der Dokumente hängt dabei sehr stark vom jeweiligen Unternehmen ab.

Welche Belastung, in Form von zusätzlichen Aktivitäten, kommen auf einen zu?

  • Mehrbelastung erfolgt durch die regelmäßig stattfinden Gespräche. Diese finden in der Regel am Abend statt.
  • Vorbereitung der benötigten Dokumente.
  • Abstimmung bzgl. der Dokumente zw. Ihnen und der Beratungsfirma.
  • Erarbeitung eine Nachfolgekonzepts bzw. dessen Abstimmung mit der Beratungsfirma.

Inwieweit können Sie hier unterstützend tätig sein bzw. werden?

Die Unterstützung findet bei allen vom Exposé bis hin zur Kaufvertragsunterzeichnung statt.

Welche Leistungspakete bieten Sie an?

  • Leistungspakete wurden mir keine angeboten.
  • Bei vier der Beratungsfirmen wurde mir ein kostenloses Erstgespräch angeboten.
  • Bei einer Beratungsfirma wird dagegen bereits das Erstgespräch in Rechnung gestellt.

In welcher Höhe belaufen sich ungefähr die Kosten für eine Beratung bei Ihnen, wenn man von einem Unternehmen mit rund 3-4 Millionen Euro Umsatz und Operatives Ergebnis von ca. 0,5 Millionen Euro ausgeht (28 MA)?

  • Als Kosten wurden 1 bis 3 Beratertage pro Monat bei 1.500,00 EUR bis 2.150,00 EUR pro Tag genannt. Diese Kosten fallen allgemein in der Vorbereitungsphase oder bei umfangreichen Projekten an.
  • Im Erfolgsfall wurden rund 5 % bis 10 % vom Kaufpreis zzgl. MwSt. genannt.
  • Andere wiederum bieten eine Honorarvereinbarung an, welche sich aus festen, variablen und erfolgsabhängigen Komponenten zusammensetzt.
  • Als Stundensätze stehen 150,00 bis 320,00 EUR im Raum.
  • Dabei gilt, dass für sämtliche Abrechnungen noch die gesetzlich geltende MwSt. (USt.) hinzukommt.
  • Es gibt Vereine, welche Ihnen bei der Beratung helfen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit dieser kleinen Anfrage einen ersten Einblick in das Thema Unternehmensnachfolge geben. Bitte bedenken Sie bei einer Anfrage immer, dass je konkreter Sie diese machen, umso wahrscheinlicher ist es, dass Ihnen geantwortet wird und umso genauer sind die für Sie benötigten Informationen.

Sollte Ihnen dieser Artikel weitergeholfen haben, so würde ich mich über einen Like freuen.

Schreiben Sie mir Ihre Erfahrungen mit Beratern unten in die Kommentare oder gerne auch als E-Mail. Bitte bleiben Sie dabei sachlich.

Disclaimer:

Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen stellen keine Beratung dar und können eine Beratung nicht ersetzen. Sie wurden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Der Anbieter dieser Webseite übernimmt jedoch keinerlei Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten kostenlosen und frei zugänglichen Informationen. Die Nutzung dieser Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Allein durch den Aufruf dieser kostenlosen und frei zugänglichen Inhalte kommt keinerlei Vertragsverhältnis zwischen dem Nutzer und dem Anbieter zustande, insoweit fehlt es am Rechtsbindungswillen des Anbieters.

2 Gedanken zu “Die Beratungsindustrie wird ihrem Ruf gerecht!

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